Allgemeine Fragen


Wir wollen Vorurteilen mit Information begegnen.


Was ist ein Flüchtling?


Asylwerber:

Als Asylwerber wird bezeichnet, wer noch kein abgeschlossenes Asylverfahren hat. Dieses dauert rund sechs Monate. Asylwerber haben keinen Zugang zum Arbeitsmarkt, ihnen sind nur kommunale Hilfstätigkeiten erlaubt. Asylwerber haben aber bereits Anspruch auf ärztliche Versorgung.


Anerkannter Flüchtling:

Ist das Asylverfahren abgeschlossen, wird der Asylwerber zum anerkannten Flüchtling und erhält eine Aufenthaltsbewilligung Damit gehen auch der Zugang zum Arbeitsmarkt und zu AMS-Kursen einher. Anerkannte Flüchtlinge haben Anspruch auf die Mindestsicherung.


Subsidiär Schutzberechtigter:

Für diesen gilt dasselbe wie für einen anerkannten Flüchtling, seine Aufenthaltsbewilligung ist allerdings nur zeitlich begrenzt.


Welches Einkommen haben Flüchtlinge?


Asylwerber:

Bei privater Unterbringung erhält der Asylwerber vom Land NÖ einen Mietzuschuss von € 120,- (Familien € 240,-) und jede erwachsene Person einen monatlichen Verpflegungszuschuss von € 200,- (Kinder € 90,-).

Zusätzlich erhalten die Asylwerber noch einen Bekleidungszuschuss von € 150,- und Kinder einen Schulbedarfszuschuss von € 200,- pro Jahr.


Anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte:

Diese haben Anspruch auf die bedarfsorientierte Mindestsicherung.

  • Alleinstehende, Alleinerzieherinnen oder Alleinerzieher: 827,82 Euro/Monat

  • Paare (pro Person): 620,87 Euro/Monat

  • Minderjährige Kinder (pro Kind): 223,51 Euro/Monat

  • Mietbeihilfe möglich




Handy


Stellen Sie sich vor, Sie müssen fluchtartig Ihr Heim verlassen und auf eine Reise uns Unbekannte gehen. Was wollen Sie?

Das Wichtigste: Sie müssen sich orientieren und brauchen eine Landkarte. Also Google Maps am Handy.

Sie wollen die Verbindung mit Ihren Lieben, die zuhause bleiben müssen, nicht abreissen lassen – am einfachsten geht das natürlich mit dem Handy. Hier sind alle Ihre Kontakte gespeichert!

Sie haben Angst, unterwegs von Ihrer Familie getrennt zu werden – wie können Sie in Verbindung bleiben? Sie statten möglichst jedes Familienmitglied für die Reise mit einem Handy aus.

Sie können fast nichts mitnehmen, alles muss in einen kleinen Rucksack passen, Kleidung, Dokumente, Zahnbürste, ein Schlafsack. Aber Sie wollen doch auch ein paar Erinnerungen an Ihr Zuhause haben, da, wo Sie hingehen werden. Wie machen Sie das? Ah ja, Sie haben Fotos am Handy, welch ein Glück!

Ein Handy ersetzt heutzutage so vieles: Landkarte, Adressbuch, Telefonzellen, Computer, Fotoalbum. Natürlich ist es somit auf einer Flucht ein unverzichtbares Utensil.



Müll


Flüchtlingsströme wandern entlang der Autobahn. Manche Mütter tragen ihre Säuglinge, die große, Brüder ihre kleinen Schwestern, junge Männer stützen ihre betagten Väter. Es ist schon Luxus, eine Decke bei sich zu haben, um sich in der Nacht ein wenig zudecken zu können. Ab und zu reichen Ihnen Helfer eine Flasche Wasser oder eine frische Windel für das Baby. Wohin mit der leeren Wasserflasche, mit der vollen Windel? Stehen an der Autobahn irgendwelche Mistkübel? Tragen Sie dann die leere Wasserflasche oder die volle Windel in der einzigen freien Hand weiterhin mit? Nein. Denn das ist ihr Ziel: Weiterzugehen, so rasch als möglich in ein sicheres Land zu kommen!

Es beginnt zu regnen, es kühlt ab. Ihre Sommerkleidung wird nass, die durchgelaufenen Schuhe haben sich mit Regenwasser und Dreck vollgesogen, sie frieren. Da endlich kommen ein paar Menschen und geben Ihnen frische Kleidung, trockene, feste Schuhe. Rasch wechseln Sie Ihre Sachen. Wohin mit den total verdreckten, durchnässten Kleidern? Entlang der Fluchtrouten stehen keine Waschmaschinen bereit und keine Mülltonnen. Also fallen lassen und rasch weiter. Unendlich dankbar für die trockenen Kleider.


Ja, Flüchtlingsströme hinterlassen auch Müll.

Ist das nachvollziehbar? Ja!

Bei jedem Festival, bei jeder Wahlkampfveranstaltung, bleiben Müllberge zurück.

Ist das nachvollziehbar? Nein. Denn da gibt es Mülltonnen und die Besucher sind keine Menschen auf der Flucht.



Männer


Lauter junge Männer kämen ins Land, wird gemunkelt. Nein, das stimmt nicht, es sind nicht nur Männer. Es kommen auch Frauen, Kinder, ganze Familien, Großeltern. Aber es stimmt, dass viel mehr Männer als Frauen den langen Weg der Flucht auf sich nehmen. Ist das verwunderlich?

Wen würden Sie auf die weite Reise ins Ungewisse voraus schicken? Sie haben in der Familie gesammelt, um wenigstens einer Person aus Ihrer Mitte den Weg ins sichere Europa zu ermöglichen. Er muss sich durchschlagen in Ländern, deren Sprachen Ihr nicht sprecht. Er muss hunderte Kilometer zu Fuß gehen, über Berge klettern. Wochenlang bei brütender Hitze oder bei Eiseskälte draußen sein, auf Feldern schlafen, oft ohne Verpflegung. Er muss mutig sein, darf sich nicht abschrecken lassen von den Gefahren, die bei einer Überfahrt in einem winzigen Schlauchboot über das Mittelmeer lauern, er muss gut schwimmen können. Er muss mit gefährlichen Schleppern verhandeln. Fitness, Zähigkeit und Mut sollen ihn also auszeichnen.

Schicken Sie Ihre betagte Oma? Oder Ihre Ehefrau, die gerade die jüngste Tochter stillt? Oder Ihren alten Vater? Nein? Na also.



Wirtschaftsflüchtlinge


Niemand setzt sich ohne triftigen Grund einer lebensgefährlichen Reise in einem kleinen Schlauchboot über das Mittelmeer aus oder nimmt einfach so aus Wanderlust die Strapazen auf sich, monatelang zu Fuß bei größter Hitze und Eiseskälte, ohne ausreichend Verpflegung und Ausrüstung durch einen halben Kontinent zu ziehen. Wer flüchtet, hat triftige Gründe: Verfolgung, Diskriminierung, Krieg. Durch die Bürgerkriege (zB Syrien, Irak, Afghanistan) in vielen Ländern ist die Zahl der Flüchtlinge in der letzten Zeit enorm gestiegen.

Wenn wir uns derzeit die Antragsstatistik ansehen, dann sehen wir, dass die Menschen aus Syrien kommen, aus Afghanistan kommen, aus dem Irak kommen. Das sind mit Abstand die größten Gruppen. Und dass die Menschen von dort ausschließlich wegen einer wirtschaftlichen Lage flüchten würden, das wird dieser Wirklichkeit nicht gerecht.“ (Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, Juli 2015)


Zudem: Gerade in den Ländern, die sich am meisten vor den sog. Wirtschaftsflüchtlingen fürchten, gibt es die niedrigsten Geburtenraten (Österreich, Deutschland, Ungarn). Wir brauchen Menschen, die hier leben und sich eine Existenz aufbauen wollen und somit unser Sozialsystem weiterhin sichern.